Abschaffung der Studiengebühren – Fluch oder Segen?

Sonntag, 1. Januar 2012 14:20 in Allgemein, Finanzierung, Studium

Freier Zugang zu Bildung ist in Deutschland wieder auf dem Vormarsch – eine positive Tendenz, denn Studenten sollten genug Zeit zum Studieren haben!

Es ist noch gar nicht allzu lange her, da wurde die Möglichkeit der Einführung von Studiengebühren in Deutschland beschlossen. Aus unerfindlichen Gründen ging damals keine oder nur eine kleine Protestwelle durchs Land – vielleicht weil man es schon gewohnt war, den Semesterbeitrag zu bezahlen und nicht überblicken konnte, dass schnell immense Kosten auf den Einzelnen zukommen könnten.

Semesterbeitrag und Studiengebühren müssen nebenbei gesagt sowieso unterschiedlich behandelt werden, denn die Abschaffung eines Semesterbeitrags steht nicht zur Diskussion und sollte auch nicht stattfinden, denn schließlich werden hiermit die Arbeit des AStAs, ein Semesterticket oder Zuschüsse zum Mensa-Essen finanziert und hierauf sollte niemand verzichten wollen.

Anders sieht es jedoch mit den reinen Studiengebühren aus. Während einige Bundesländer dabei sind, Studienkonten einzuführen oder auch an bereits vorhandenen Studiengebühren festhalten, werden in manchen Bundesländern die Gebühren bereits wieder abgeschafft. Baden-Württemberg zum Beispiel schafft die Studiengebühren zum Sommersemester 2012 ab, Hamburg plant, sich diesem Trend zum Wintersemester 2012/2013 anzuschließen. Das Saarland hat bereits zum Sommersemester 2010 die Studiengebühren abgeschafft und auch in Mecklenburg-Vorpommern muss man aktuell keine Studiengebühren bezahlen. In allen anderen Bundesländern hingegen werden Studiengebühren oder zumindest aber Langzeit-Studiengebühren erhoben. Da die Diskussion über das Für und Wider von Studiengebühren jedoch im vollem Gange ist, bleiben die jeweils nächsten Landtagswahlen abzuwarten, denn diese könnten – je nach Wahlsieger – einige Änderungen auf diesem Gebiet mit sich bringen.

Wer selber sein Wahlkreuzchen von der Haltung zu Studiengebühren abhängig machen möchte, sollte sich darüber im Vorfeld einige Gedanken machen. Auf der Pro-Seite für Studiengebühren steht sicherlich das leuchtende Ziel, die eingenommenen Gelder für die “Verbesserung der Lehre” zu verwenden. Die ist eine Idee, der sich sicherlich kein(e) StudentIn verschließen möchte, denn schließlich wünscht man sich weniger überfüllte Hörsäle und Seminare, dafür Dozenten, die sich wirklich für die Belange ihrer Studenten einsetzen.

Ob dies nun aber ausgerechnet durch Studiengebühren bewirkt werden kann, ist fraglich und auch die “Experimente” mit den bereits vorhandenen Studiengebühren zeigen nicht unbedingt, dass dies der Fall ist. Studiengebühren bleiben somit in erster Linie eine finanzielle Belastung, der wahrlich nicht alle Studenten gewachsen sind und für die sie noch härter und länger neben dem Studium arbeiten gehen müssen. Dies kostet Zeit, die besser in Bibliotheken verbracht werden könnte – denn was bringt eine Verbesserung der Lehre, wenn die Studenten kaum noch Zeit haben, diese zu nutzen?

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