Anonyme Bewerbung – Vor- und Nachteile

Mittwoch, 2. Mai 2012 14:03 in Studium, Tipp

Eine neue Studie hat herausgefunden, dass anonyme Bewerbungen die Chancen unter den Bewerbern gerechter verteilen. Doch stimmt das?

In einer anonymisierten Bewerbung sind im Vergleich zu einer herkömmlichen Bewerbung keine Angaben zu Alter oder Geschlecht vorhanden. Auch ein Bewerbungsfoto oder die Kategorie Hobbys fehlt auf dem Bewerbungsschreiben. Der Name wird durch eine entpersonalisierte Bewerbernummer ersetzt. Dadurch stehen die Kompetenzen des Bewerbers im Vordergrund, nicht sein Geschlecht oder seine Herkunft.

Das sich Alter, Geschlecht und Herkunft oft nachteilig bei einem Bewerbungsverfahren auswirkt, ist schon lange bekannt. Denn es sind Frauen, Menschen mit Migrationshintergund und ältere Arbeitnehmer, die bei einem Bewerbungsverfahren meist überdurchschnittlich früh aussortiert werden. So besteht in vielen Personalabteilungen die Angst, dass eine junge, verheiratete Frau bald schwanger werden und für mehrere Monate, wenn nicht sogar für ein oder zwei Jahre aus dem Berufsleben ausscheiden könnte. Auch Bewerber mit einem ausländisch klingenden Namen werden oft erst gar nicht zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, denn auch die Mitarbeiter in den Personalabteilungen, die eigentlich den geeignetsten Kandidaten neutral auswählen sollten, sind nicht frei von Klischees.

Doch es hat sich gezeigt, dass interkulturelle, gemischtgeschlechtliche Teams wesentlich kooperativer und effektiver arbeiten, als monoton strukturierte Abteilungen. In der englisch-sprachigen Welt hat sich die Erkenntnis schon lange durchgesetzt. Hier verzichten viele Firmen bei Bewerbungen auf die Angabe des Namens, des Alters oder des Geschlechts und ein Bewerbungsfoto. Während anonymisierte Bewerbungen in den USA, Kanada und Großbritannien schon seit einigen Jahren weit verbreitet sind, legen die Firmen hierzulande hingegen nicht nur Wert auf gute Zeugnisse, sondern wollen die Person hinter den Noten kennen lernen.

Dabei ist das Hauptargument die Persönlichkeit. Denn Zeugnisse und Noten sind nicht alles. Auch hervorragend ausgebildetete Menschen können die entscheidenen sozialen Kompetenzen fehlen, die in der Arbeit im Team oder mit den Kunden von essentieller Bedeutung sind. Welche Art der Bewerbung sich in den kommenden Jahren durchsetzten wird, ist noch nicht abzusehen. Letztendlich wird wohl die wirtschaftliche Leistung eines Unternehmens darüber entscheiden, ob es den Wechsel zu einer anonymisierten Bewerbung vollzieht. Denn erst wenn die ausländische Konkurrenz mit einer bunt zusammen gewürfelten Belegschaft an den deutschen Unternehmen vorbeizieht, werden die Personalabteilungen hierzulande ihre Strategien nochmals überdenken.

Lopid

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